Sportplatz vorerst gerettet

Gute Nachrichten

Ein Gastbeitrag von Maria Reicher-Marek am 14. Februar 2026

Um es vorweg zu sagen: Die Nachrichten über Palästina, insbesondere über die Situation in der West Bank, die mich in den letzten Tagen erreichten, sind alles andere als gut. Aber es gibt zwischendurch auch gute Nachrichten. Sie können die Schwere der schlechten Nachrichten nicht aufwiegen, aber sie sind zu wichtig, um in der Flut der schlechten Nachrichten unterzugehen. Deshalb möchte ich heute einige gute Nachrichten teilen.

1:0 für Aida

Bild: Der Fußballplatz im Flüchtlingscamp Aida in Bethlehem, im besetzten Westjordanland, im Schatten der israelischen Sperrmauer, die u.a. das besetzte Ostjerusalem vom Westjordanland trennt. Quelle: https://www.middleeasteye.net/news/israel-threatening-demolish-popular-west-bank-youth-football-pitch [Lubna Masarwa, Middle East Eye]

Der Kunstrasenplatz im Flüchtlingslager Aida in Bethlehem wurde 2021 errichtet. Er ist die Heimstätte von Aida Celtic, einem Club, der 2019 mit Unterstützung der Green Brigade gegründet wurde und in Aida eine Fußballakademie für Kinder aufgebaut hat. Jungen und Mädchen im Alter von 6 bis 19 Jahren trainieren dort. Mädchen von Aida Celtic spielen in der Jugendauswahl des palästinensischen Nationalteams.

Doch hier geht es um mehr als nur um Fußball. Bethlehem ist ein Freiluftgefängnis. Die israelische Mauer, dieses Bauwerk der Schande, trennt die Einwohner Bethlehems von ihrem Grundbesitz auf der anderen Seite, von Verwandten und Freunden, von Chancen auf Arbeit und Einkommen, von Bildungsmöglichkeiten und Gesundheitsversorgung, von wichtigen religiösen Stätten – und nicht zuletzt vom Meer.

PalästinenserInnen dürfen nur mit einer ausdrücklichen Genehmigung der israelischen Armee auf die andere Seite der Mauer; und diese Genehmigungen werden sparsam vergeben und sind in der Regel jeweils nur für kurze Zeit gültig; und selbst wenn man eine solche Genehmigung hat, ist das keine Garantie dafür, dass der Soldat am Kontrollpunkt einen auch tatsächlich passieren lässt.

Auch innerhalb der West Bank ist die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bewohner massiv eingeschränkt. Straßensperren und schikanöse Kontrollen durch israelische Soldaten alle paar Kilometer sowie willkürliche Gewalt sowohl durch Soldaten als auch durch israelische Siedler machen selbst kleine Reisen zu zeitaufwändigen und gefährlichen Unternehmungen. Bethlehem wird erdrückt durch die Mauer auf der einen Seite und rasend schnell wachsende und sich vermehrende israelische Siedlungen auf der anderen Seite. Die Siedlungen sind nicht nur ein Problem, weil sie Ressourcen an Land und Wasser verschlingen, sondern auch, weil die palästinensischen Einwohner „aus Sicherheitsgründen“ nicht einmal in die Nähe dieser Siedlungen kommen dürfen – und weil die Siedler die palästinensischen Einwohner immer mehr selbst in deren eigenen stetig schrumpfenden Siedlungsgebieten terrorisieren.

In Bethlehem selbst gibt es keine einzige öffentliche Parkanlage. Es gibt keinen Badesee, in dem man Spaß haben, keinen Wald, in dem man sich entspannen und zur Ruhe finden könnte. In Bethlehem gibt es überhaupt keine Freizeiteinrichtungen – nicht einmal ein Kino. Aufgrund der Abriegelung durch die Mauer liegt die Wirtschaft der Stadt am Boden, die Arbeitslosigkeit ist hoch.

Ist das Leben in der Stadt Bethlehem schon schwierig, so ist es im Flüchtlingslager Aida noch viel schwieriger. Flüchtlingslager im Westjordanland bestehen schon lange nicht mehr aus Zelten, aber sie sind extrem dicht verbaut, mit hoher Bevölkerungsdichte. Außerdem sind Flüchtlingslager noch viel mehr als die ursprünglichen Ortschaften und Stadtviertel dem Terror der israelischen Armee ausgesetzt. Aida ist umgeben von militärischen „Checkpoints“, Militärstützpunkten und Wachtürmen. Immer wieder dringen israelische Soldaten in das Lager ein, stürmen Häuser, richten Zerstörungen an, plündern und rauben, misshandeln und verhaften die Einwohner willkürlich.

Der Fußballplatz ist für die jungen Menschen in Aida – trotz der allgegenwärtigen Mauer – ein Ort, an dem ihre Seelen frei atmen können, ein Ort der Sicherheit, der Normalität, an dem die sonst ständig vorhandene Anspannung für eine Weile von ihnen abfällt. Es ist der einzige Ort dieser Art, den sie haben.

Im November des vergangenen Jahres kam die Hiobsbotschaft in Form eines Schriftstücks, das israelische Soldaten an dem Tor des Platzes befestigten. Darauf stand geschrieben, dass alle Aktivitäten auf diesem Platz unverzüglich einzustellen seien und dass der Platz wegen einer fehlenden Baugenehmigung demoliert werden könnte.

Das Grundstück ist im Besitz der armenischen Kirche. Diese hatte es seit mehr als 20 Jahren an die Stadt Bethlehem verpachtet. Die Mauer selbst steht auf palästinensischem Land. Dass der Platz ohne Baugenehmigung errichtet wurde, ist sachlich richtig: Palästinenser müssen auf ihrem eigenen Land in Israel um Baugenehmigung ansuchen, und sie erhalten diese fast nie. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung sagte, sie hätten niemals eine Baugenehmigung so nahe an der Mauer erhalten. Der Platz wäre jedoch schon vor der Gründung von Aida Celtic zum Fußballspielen genutzt worden.

Es gibt kein freies Stück Land, auf das Aida Celtic ausweichen könnte. Ein großer Teil des Landes, das zur Stadt Bethlehem gehört, wurde von Israel beschlagnahmt. Es darf von Palästinensern nicht mehr genutzt werden.

Die Nachricht von der drohenden Zerstörung des Trainingszentrums war ein harter Schlag für die Kinder, deren Eltern und die Betreuer. Aber es war auch eine Nachricht, die in die Welt hinausging, und sie wurde nicht passiv hingenommen. Fast 360.000 Menschen aus der ganzen Welt haben eine Petition an die FIFA und an die UEFA unterschrieben. Der Text der Petition lautete:

„Wir bitten Sie dringend zu intervenieren, um die Demolierung des Fußballplatzes im Flüchtlingslager Aida zu stoppen und das Recht palästinensischer Kinder auf Spielen zu schützen. Fußball ist für alle da.

FIFA und UEFA hatten sich in der jüngeren Vergangenheit als treue Freunde Israels verhalten. Doch der Fall der Kinder des Flüchtlingslagers Aida schlug international so hohe Wellen, dass sie schließlich tätig wurden. Laut Jerusalem Post waren ihre Beweggründe eher finanzieller als moralischer Natur. Die UEFA genießt in der Schweiz Steuerprivilegien, weil sie als „gemeinnützige Organisation“ eingestuft wird. Manchen Schweizer Parlamentariern ist das schon länger ein Dorn im Auge. Hätte die UEFA nun ein humanitäres Vorzeigeprojekt wie die Aida-Fußballakademie einfach aufgegeben, wäre das Wasser auf die Mühlen jener Schweizer Politiker gewesen, die der UEFA gern den Gemeinnützigkeits-Status entziehen würden. Die UEFA wäre vor der Welt nackt dagestanden als das, was sie ihrem Wesen nach ist: ein Milliardengeschäft ohne jede Moral.

Um ihr Gemeinnützigkeits-Feigenblatt nicht zu verlieren, entschlossen sich UEFA und FIFA, Druck auf den israelischen Fußballverband auszuüben. Dieser wiederum überzeugte die israelische Regierung davon, dass der Image-Schaden, der durch eine Demolierung des Aida-Bolzplatzes entstehen würde, im Moment zu groß wäre.

Das alles wäre nicht geschehen ohne den Druck „von unten“, also den Aktivismus der internationalen propalästinensischen Bewegung.

Das Resultat: Der Demolierungsbeschluss wurde eingefroren. Freilich: Er könnte jederzeit wieder aufgetaut werden. Jetzt wird jedenfalls wieder trainiert, im Schatten der Mauer. Damit das so bleibt ist es wichtig, dass wir, die internationale Gemeinschaft der palästinasolidarischen Menschen, wachsam bleiben, nicht aufhören, hinzusehen und zuzuhören – und über das Gesehene und Gehörte zu sprechen.

Bild: Training auf dem Platz von Aida Celtic. [Lubna Masarwa, Middle East Eye] Quelle: https://www.middleeasteye.net/news/israel-threatening-demolish-popular-west-bank-youth-football-pitch


Quellen:

https://www.middleeasteye.net/news/israel-threatening-demolish-popular-west-bank-youth-football-pitch

https://secure.avaaz.org/campaign/en/don_t_bulldoze_our_pitch_loc

https://www.jpost.com/israel-news/sports/article-886385

Johannes Zang, „Und am Kontrollpunkt wartet die Erniedrigung.“ 33 Christen aus Palästina reden Klartext. Messidor Verlag, 2026.

https://green-brigade.com/galleries-3/aida-refugee-camp-palestine/

https://green-brigade.com/celtic-palestine-and-aida-celtic/


WIR DANKEN der Autorin, Der Artikel erschien erstmals in
https://dienichtvergisst.blog/2026/02/14/gute-nachrichten/

WIR WEIGERN UNS FEINDE ZU SEIN

WE REFUSE TO BE ENEMIES

Vom 1. Advent 2024 bis zum Dreikönigstag liegt der Vringstreff auf dem Kölner Krippenweg. Mit der Olivenholz-Mauerkrippe pflegen wir hier eine besondere Tradition als Gast in diesem Treffpunkt für Menschen in besonderen Situationen.

Szene aus der Krippen-Darstellung 2024

Die Stadt Bethlehem, in der Jesus geboren wurde, liegt in einem Land, das noch immer ohne Frieden ist. Seit mehreren Generationen leben die Menschen in Angst und Not, und die Belastungen nehmen noch weiter zu. Es gibt Menschen, die andere Menschen als Feinde wahrnehmen, sie als Feinde behandeln und vertreiben wollen.

Doch genau diese Menschen weigern sich, Feinde zu sein, denn sie wollen auf ihrem Land friedvoll leben. Über viele Generationen haben sie Gastfreundschaft gelebt und vererbt – und gezeigt, was Gemeinschaft und Familie bedeuten und welches kulturelle Erbe in Ihnen und ihrer Arbeit steckt, mit der sie das Land bewirtschaftet haben.

Jesus wurde in dieses Land geboren, um Frieden zu bringen und Nächstenliebe zu lehren. Hierfür kämpfen auch heute noch viele Bewohner:innen, die in Bethlehem und Umgebung sich gegen Bedrohungen und Feindschaften stellen und auf Menschlichkeit, Respekt und Menschenrechte setzen. Sie wandeln ihren Schmerz und Frust in positive Aktionen, die auf eine bessere Zukunft hinarbeiten. Das bildet den Boden für Gerechtigkeit und Frieden.

Diese Station auf dem Kölner Krippenweg blickt auf das Heilige Land

Auch 2024/25 schauen wir auf die heutige Situation in Bethlehem. Die Mauer, ein aus Olivenholz geschaffenes Kunstwerk aus Bethlehem, ist der acht Meter hohen Mauer nachempfunden, welche Bethlehem von drei Seiten umklammert und das tägliche Leben einschränkt und bedroht. Die Heimat Jesu kommt seit Jahrzehnten nicht zur Ruhe.

Die Mauerkrippe kann – barrierefrei erreichbar – zu jeder Tages- und Nachtzeit im Fenster des Vringstreffs angeschaut werden, direkt hinter der Kirche St. Severin.
Im Ferkulum 42 | 50678 Köln

Das andere Bethlehem – Die Welt der Flüchtlingslager

Die meisten Menschen verbinden mit Kölns Partnerstadt Bethlehem den biblischen Geburtsort Jesu und heute eine arabisch geprägte Altstadt. Wer das sog. Heilige Land intensiver kennenlernen will, wird auf einen Besuch dieser anziehenden Stadt und der Geburtskirche nicht verzichten wollen. Aber es gibt noch ein anderes, kaum bekanntes Bethlehem. Und das wird von Touristen in der Regel nicht wahrgenommen: Es besteht aus den drei Flüchtlingslagern Deheisheh, Al Aida und Al Azzeh/Beit Jibrin. In letzter Zeit traten sie häufiger in den Blick der Öffentlichkeit, wenn in unseren Medien über Razzien der israelischen Armee berichtet wird, bei denen auch Kinder und Jugendliche inhaftiert werden.

Wie erleben die Bewohner ihren Alltag? Welche Ängste und Hoffnungen haben sie? Davon erzählt Mohammed Fararje, dessen Familie seit 1948 im Deheisheh Camp lebt – immer noch irgendwie am Rande, auch wenn das ursprünglich außerhalb gelegene Camp heute inmitten des stark gewachsenen Bethlehems liegt. Der israelische politische Wirtschaftswissenschaftler und Journalist Dr. Shir Hever berichtet in seinem Vortrag, wie es zu diesen Lagern kam, wie ihr Status heute ist und welches Schicksal sie künftig ereilen könnte.

Vortrag und Gespräch – Donnerstag, 11.05.2023, 19:00 Uhr
Pfarrsaal an St. Maternus, Alteburger Str. 74, 50678 Köln

Roni Hammermann

Roni Hammermann starb am 3. September 2022 nach schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren.
Wir hatten von ihr persönlich auf mehreren Besuchen in Bethlehem und Palästina über ihre Friedensarbeit an den Checkpoints erfahren dürfen. Seit 2001 hat sie als Mitbegründerin von Machsom-Watch (Checkpoint-Beobachter) alleine durch die Anwesenheit der beobachtenden israelischen Frauen die meist sehr jungen Soldaten an den Checkpoints in ihrem Umgang mit den Palästinensern gezügelt. Trotz, dass es nur kleine Schritte der Entspannung waren, sind die Konsequenz für die Beteiligten für diesen Moment sehr erleichternd. Aber auch durch Gespräche und Kontakte mit den Soldaten und Soldatinnen, die ihre Kinder oder Enkel sein könnten, wurde deren Umgang bei den Kontrollen entschärft oder unzulässige Vorgänge wurden protokolliert.

2008 erhielt sie den Aachener Friedenspreis, womit ihre unermüdliche, oft emotional nicht zu ertragende Arbeit besonders wertgeschätzt wird.

Wir behalten sie mit ihrer resoluten, wertschätzenden Art in sehr guter Erinnerung und hoffen, ihr Lebenswerk wird Fortsetzung finden und bald einmal größere Früchte tragen.

The Wall – Mauern der Welt: Israels Grenzwall

Es gibt viele Filme über den Grenzwall, die Mauer, die der israelische Staat zwischen Israel und dem besetzten Westjordanland errichtet hat. Vor wenigen Tagen wurde auf dem Dokumentationskanal PHOENIX ein weiterer, neuer Beitrag dazu erstausgestrahlt, der seit zwei Tagen auch in der Mediathek abrufbar ist.

„Ein guter Film“ –

Suraya Hoffmann, gebürtige Palästinenserin schreibt „es lohnt sich, sich ihn anzuschauen“.

Die "neue" Mauer 2006
Gäste aus Köln im November 2006 vor der Mauer in Bethlehem (links Erste Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes) <Das Foto ist älter – aber noch nicht Vergangenheit, hrh>

Der TV-Beitrag ist aktuell produziert (von einem unabhängigen walisischen Studio) und das ist es auch, was ihn auszeichnet: er ist aktuell. Der Konflikt zwischen den beiden Parteien wird nicht zum X-ten-Mal mit allen Nebenaspekten ausgewalzt, sondern ‚nur‘ skizziert. Stattdessen informieren aktuelle Bilder und aktuelle Interviews. Anschauliche Darstellungen der Mauer und ihres Verlaufs beleuchten in einer gradlinigen Regiearbeit das Schicksal der Menschen im Schatten der Mauer: Kritische Stimmen von beiden Seiten analysieren und kommentieren und vor allem kommen Menschen beider Seiten zu Wort, die darum ringen, die Dinge zu ändern.

„Das wichtigste ist, zu verstehen, dass auf der anderen Seite der Mauer keine Monster leben; es sind Menschen wie Du und ich“, sagt Raz Esther Kones, Jugendleiterin von „Roots“ und fährt fort: „Sie haben denselben Glauben und dieselben Hoffnungen. Wir haben einen anderen Namen für Gott aber unsere Religion ist in vielen Aspekten gleich. Die Werte an die wir glauben, sind ähnlich und manchmal scheint es, als sei das Schockierendste überhaupt, dass da ein Mensch hinterm Zaun ist, der ein ganz normales Leben, wie ich auch, führen möchte.

Wer in den letzten Jahren im Austausch zwischen deutschen, palästinensischen und israelischen Jugendlichen, Menschen engagiert war, weiß wie wahr das ist: Die Menschen beiderseits der Mauer wissen nichts mehr voneinander und verlernen, was sie mal wussten. Raz Esther Kones fährt fort: „In den Schulen hier unterrichtet keine Seite Hebräisch oder Arabisch. […] Mit Sicherheit wird er eine palästinensische Person treffen und kann nicht mit ihr sprechen. Natürlich wird er Angst vor ihr haben und denken, sie sei ein Terrorist, weil er nicht einmal mit ihr reden kann.“

Gelegentlich dient die Mauer den Autoren nur als Aufhänger, um über Menschen zu berichten, die sich dem Diktat ebendieser und der Trennung widersetzen. Und so kommentiert Rami Elchanan: „Wir sind in einem Zustand, in dem wir einander ignorieren. […] Der Hauptzweck (der Mauer) ist, Angst in die Herzen der Menschen zu pflanzen, die andere Seite zum Risiko zu erklären. Wenn Du Angst vor etwas hast, kommst Du nicht näher. Und wenn Du nicht näherkommst, wirst Du nichts erfahren. Und wenn Du nichts weißt, wirst Du kein Interesse daran haben, die Situation zu ändern. Sie ist auf Angst, Terror und Ignoranz gebaut …“

Die politische Landkarte des besetzten Westjordanlands nach dem Abkommen von Oslo wird skizziert und mit eindrücklichen Beispielen aus dem Alltag veranschaulicht. Mit einem ehrlichen Blick auf die Wahrheiten werden die Schicksale der Bauern und Bäuerinnen, der alten und jungen Menschen gezeigt – und am Beispiel einer Initiative aus dem Flüchtlingslager Aida am nördlichen Rand Bethlehems zeigt der Film, wie notwendig es ist, gerade den traumatisierten Kindern zu helfen: Sie möchten etwas Schönes erleben und dazu proben sie ein Theaterstück, um der Welt zeigen können, dass es sie gibt.

Es gibt viele Protagonisten und Akteure – selbst Banksy hat seine Spuren hinterlassen. Deutliche Worte werden gesprochen, Enttäuschung und Wut finden ihren Ausdruck. Oder die Autorin Prof. Nurid Peled-Elhanan, eine israelische Menschenrechtlerin, die in ihrer wissenschaftlichen Arbeit zeigt, was einen „Soldaten dazu bringt, dass er den Abzug gegen ein 10-jähriges Mädchen drücken kann.“ (Rami Elchanan). Und eben Rami Elchanan und Bassam Aramin, ein israelischer und ein palästinensischer Vater, denen ein Kind von Soldaten oder Attentätern der anderen Seite getötet wurde. Nach und wegen dieser schmerzhaften Erfahrung und ihrem Leben geprägt vom Krieg gegen die jeweils andere Seite engagieren sich die beiden seit einigen Jahren in einer weltweit einzigartigen Organisation: dem Parents Circle Families Forum, einer Gruppe von etwa 600 palästinensischen und israelischen Eltern und Familien, die Menschen verloren haben.

„Die Geschichte des Anderen kennen lernen“ ist einer ihrer Ansprüche.

Erst Mitte Juni waren die beiden auch in Köln zu Gast und haben, vom Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Bethlehem in die Karl-Rahner-Akademie eingeladen, die Zuhörer:innen nachhaltig beeindruckt: „Wir sind die einzige Organisation, die nicht nach neuen Mitgliedern sucht, denn der Eintrittspreis ist zu hoch.“

Die Mauer als Projektionsfläche himmelwärts

Sie wollen Zuversicht stiften, „die Macht des Schmerzes nutzen.“

Rami Elchanan spricht für beide: „Es wird immer einen Riss in der Mauer geben, durch den man drunter, drüber oder hindurch kann. Es braucht Risse in der Mauer aus Hass und Angst, die unsere zwei Nationen trennen. Wir wollen nicht pro-israelisch oder pro-palästinensisch sein, das würde uns nicht helfen. Wir fordern […] für den Frieden zu sein.“ […]

„Ich betrachte den Mörder meiner Tochter als Opfer. Er war kein geborener Killer, etwas hat ihn dazu gemacht!“

Der Link zum Film von Caryl Ebenezer, Raghad Mukarker und Daniel Cohen:

https://www.phoenix.de/sendungen/dokumentationen/the-wall—mauern-der-wel-a-2658674.html

29. VII 2022             Heinz-Rudolf Hönings

Der Verlauf der MAUER ist Völkerrechtswidrig

FILM + Gespräch

BROKEN –
A Palestinian Journey Through International Law

Dokumentarfilm (2019) mit anschließendem Gespräch mit dem palästinensischen Regisseur Mohammed Alatar

Im Zentrum des Filmes steht die völkerrechtliche Bewertung des Verlaufs der von Israel errichteten Sperrmauer zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag wurde von den Vereinten Nationen damit beauftragt, nicht die Mauer als solche, sondern deren Verlauf juristisch, d.h. vor allem in völkerrechtlicher Hinsicht zu bewerten. Es erklärt 2004 den Bau der Mauer, soweit sie auf palästinensischem Gebiet verläuft, für illegal.

Durch die ausführlichen Interviews mit an dieser Entscheidung beteiligten Richtern, Völkerrechtsexperten und Diplomaten, in denen auch ethische Überlegungen zur Sprache kommen, ist dieser historische Rückblick sehr erhellend. In Zeiten, in denen zahlreiche Staaten sich wieder von multilateralen Vereinbarungen abwenden und zu einer unilateral ausgerichteten Außenpolitik zurückkehren, ist der Film nach wie vor aktuell.

Plakat zum download

Mehr zum FILM

Olivenholzkrippe 2020

Die Gestaltung des Umfeldes, in dem die Krippe eingebunden ist, hat diesen thematischen Hintergrund:

Traditionen in unseren Partnerstädten

Mit dem Projekt werden die vielfältigen kulturellen Beziehungen zwischen Köln und seinen
Partnerstädten am Beispiel des Themas „Weihnachten“ aufgezeigt. Geteilte Werte und Traditionen,
aber auch Neues, Unbekanntes und Überraschendes werden vorgestellt.

Weihnachten in Bethlehem hat Traditionen, die ihre besonders eigenen Facetten zeigen.

Hier erhalten Sie einen kleinen Eindruck der Fenstergestaltung:

In der Adventszeit 2020 stellten Vereinsmitglieder traditionell die „Mauerkrippe“ wieder im Vringstreff e.V. in der Südstadt auf .

Im Ferkulum 42, 50678 Köln
hinter der Severinskirche
(H) Chlodwigplatz

Die Ausführliche Beschreibung und alle Bilder finden Sie hier

Zu dieser Beschreibung gibt es eine kurze Ergänzung im Film von 3:38 min (engl.) unter
https://www.youtube.com/watch?v=wlsVEnQLlNA

Eine Ausführliche Darstellung dieser Festtage auf dem Krippenplatz gibt es hier
https://www.youtube.com/watch?v=oFe-8cRUf5g,   mit englischer Moderation, 23:37 min

Banksy in Bethlehem

Banksy ist … ? Ja wer oder was ist ER? Als Graffiti-Künstler weltberühmt geworden, doch seine Identität ist unscharf, sie ist nur einer Handvoll Vertrauter bekannt. Seine Werke haben häufig politische Botschaften, egal wo auf der Welt, auch in England, wo er in Bristol wohnte, und Palästina, hier in Bethlehem. Das von Banksy mitgegründete „Walled Off“-Hotel liegt in unmittelbarer Nähe des israelischen Sperrwalls.

The Walled Off Hotel in Bethlehem and the Separationwall
Das Walled Off Hotel in Bethlehem und die Sperrmauer

Das Haus warb bei seiner Einweihung vor drei Jahren mit der „schlechtesten Aussicht der Welt“, weil der Blick aus den Zimmern direkt auf die Betonmauer geht, die Bethlehem von Israel trennt. Diese Mauer ist eine große Projektionsfläche für Botschaften aus aller Welt in Schrift und Bild, eine ständig wechselnde „Ausstellung“.

In der Lobby des Hotels „Walled Off“ stehen und hängen tolle Kunstwerke, die mit (westlichem) Humor die Situation an der Mauer „übersetzen“. Die Verwendung von örtlichem Material der Überwachung (Kameras) und von den Auseinandersetzungen an der Mauer (Patronen) gefällt den Besuchern.

Dieses Bild aus einem Triptychon hing bis vor Kurzem auch in dieser Lobby.

Gemälde von Banksy mit dem Titel "Mediterranean Sea View 2017"
Mediterranean Sea View 2017

Es wurde Ende Juli 2020 bei Sotheby’s für 2,4 Millionen Euro versteigert. Die Einnahmen aus dem Verkauf des Werks sollen an ein Krankenhaus in der Stadt gehen. Hiermit soll eine Station für Schlaganfallpatienten sowie Reha-Ausrüstung für Kinder finanziert werden.

Gerade in der heutigen Corona-Kriese ist das ein so wertvolles Zeichen, ein Akt der Menschlichkeit, hier zu helfen und den Menschen Hoffnung zu geben.

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