zusammengebracht! Dafür sagen wir herzlichen Dank und freuen uns darauf, in Bethlehem die ärgste Not damit etwas lindern zu können.
Aus Bethlehem gibt es dazu neue Nachrichten. Das Amt der Oberbürgermeisterin und Büro für Europäische und Internationale Angelegenheiten hat aus dem Büro des Bürgermeisters von Bethlehem folgendes erfahren:
In Bethlehem gibt es derzeit keine Corona-Infizierten mehr, aber viele Einschränkungen bestehen weiterhin. Die meisten Menschen gehen zwar wieder zur Arbeit, aber social distance ist weiter angesagt und man muss Masken und Handschuhe tragen. Kirchen, Moscheen, Restaurants, Fitnessstudio und Sporthallen, Kinos, Clubs sind weiter geschlossen. Sammeltaxis dürfen max. zwei Fahrgäste mitnehmen. Der Tourismus liegt am Boden, gerade jetzt, wo die Saison zu Ostern eigentlich begonnen hätte und so richtig aufwärts ging. Die ohnehin hohe Arbeitslosigkeit von 23 % steigt weiter, man rechnet mit zusätzlichen 20%.
Wir danken allen Beteiligten für Ihre großzügigen Spenden. Besonders danken wir den Angestellten der Stadt Köln, die aus ihrer Rest-Cent-Sammlung mit 1000,- € diese gute Sache unterstützt haben.
Wir werden mit 4500,-€ nun einen Verbund von Sozialarbeitern versorgen, die sehr genau sehen, wo die Not am größten ist. Die gleiche Summe wird an das Seniorenheim der Antonian Charitable Society gehen, die besondere Not haben in der Versorgung ihrer Seniorinnen.
Schließlich 1500,-€ wird einer Familie eines Mädchens im Rollstuhl zuteil, die umfangreiche Operationen zu bezahlen haben, aber zur Zeit kein Geld verdienen können.
die gegenwärtige Pandemie hat weltweite Ausmaße angenommen. Sie betrifft nicht nur uns, sondern auch die Menschen in den Partnerstädten der Stadt Köln. So ist also auch Bethlehem davon nicht verschont geblieben. Das Amt für Internationales der Stadt Köln bietet den Städtepartnerschaftsvereinen an, sie bei einer Spendensammlung für ihre Partnerstadt zu unterstützen. Jeder Verein, der über 2500,00 € einsammelt, erhält von der Stadt Köln 1000,00 € oben drauf.
Das ist ein großartiges Angebot, das uns ein Ansporn ist. Denn unsere Partnerstadt Bethlehem leidet doppelt. Weil das Virus sich von hier aus verbreitet hat, steht die Stadt seit dem 6. März unter strenger Quarantäne. Hinzu kommt in Bethlehem die Situation der Besatzung und die strikte Trennung durch Mauern und Checkpoints. Arbeitsplätze und Krankenhäuser im benachbarten Jerusalem sind unerreichbar.
Senioren leiden doppelt
Aber auch alte Menschen und Menschen mit Behinderung leiden besonders unter dieser Situation. Ihnen fehlen Medikamente, medizinische Hilfsmittel und die einfachsten Dinge für ein menschenwürdiges Leben. So musste auch die Tageseinrichtung eines Seniorenheimes schließen und die Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen sind nicht zugänglich.
Einrichtungen und Organisationen, die sich professionell und rund um die Uhr um diese notleidenden Menschen in Bethlehem kümmern, nehmen Hilferufe entgegen. Sie stellen die Bedarfe fest, organisieren Hilfe, Einkäufe und Betreuung. Ihr finanzielles Budget ist allerdings inzwischen an Grenzen gekommen und ein Ende der schwierigen Situation ist nicht in Sicht. Wir haben hiervon erfahren und wurden um Hilfe gebeten.
Mit dieser Bitte wenden wir uns an Sie für eine Spende zur Unterstützung der Menschen in Bethlehem in dieser schwierigen Zeit. Es geht um unsere Solidarität! Wenn wir über 2.500,00 € einsammeln und die Stadt dann noch 1000,00 € drauflegt, dann können wir sogar mehr als eine Einrichtung unterstützen und vielen Menschen Hilfe bringen.
Ihre Hilfe kommt an
Im Rahmen dieser besonderen Kooperation freuen wir uns über ihre Spende bis Ende Mai, damit die Hilfe dann auch schnell ankommt. Die Spendenaktion haben wir abgeschlossen – sollten Sie dennoch gutes für Bethlehem tun wollen, dürfen Sie gerne ihren Beitrag nachreichen:
Wenn Sie uns dabei unterstützen wollen, zahlen Sie bitte unter dem Stichwort „Cor2020 Bethlehem“ auf unser Vereinskonto ein: StäPa-Verein Köln-Bethl.
Wir danken Ihnen schon jetzt für Ihre Spende. Sie erhalten von uns eine Spendenquittung ab 200,- € oder auf Wunsch. Bitte die Adresse angeben. (bis 200,-€ ist der Kontoauszug für die Steuererklärung ausreichend)
Herzliche Grüße
Claudia Burger, Vorsitzende Michael Kellner, Geschäftsführer
Die Einschränkungen durch die Ausbreitung des Virus sind nicht nur Kontaktverbot und Abstand, sondern auch fehlende Zukunftsaussichten durch die Unsicherheiten in der Entwicklung dieser Krise. Damit einhergehend sind wir von der Zukunft, den Zukunftserwartungen abgeschnitten, wir sind „Eingesperrt in der Gegenwart“, wie es der Philosoph David Lauer nennt. Uns ist der Sinn der Gegenwart genommen, da sich die Zukunft nicht wie gewohnt planen lässt.
In Palästina und besonders in Gaza kennt man diese Situation schon aus anderen Gründen. Durch die begrenzende Mauer, Kontrollen und spontane Ausgangssperren oder kollektive Strafen gibt es genügend Übung in fehlender Zukunftsperspektive. Kein Planen was morgen oder nächste Woche sein wird, spontan sich auf neue Situationen einstellen.
Bewegung eingeschränkt
Jetzt kommt also der „Lock-Down“ durch Corona auch in Palästina noch hinzu. Die gewohnte Reiseeinschränkung für Palästinenser*innen für den Übergang nach Israel wird nun auch zwischen palästinensischen Städten, Distrikten und Dörfern von der Polizei durchgesetzt.
Bethlehem – mit den meisten bestätigten Fällen im Westjordanland – wurde schon früh abgeriegelt, sowohl von Israel wie auch im eigenen Distrikt. Die Mobilität der Bevölkerung wird auch hier auf das notwendige Mindestmaß für Gänge zum Supermarkt, in die Apotheke oder zum Arzt reduziert. Hier gehen die palästinensischen Sicherheitskräfte nicht zimperlich vor, sind sie doch auch dem israelischen Sicherheitsbegriff verpflichtet und halten Opposition und Demonstranten in Schach.
Aus Bethlehem hören wir von unseren Freunden, dass die Ausgangsperre seit dem 02. März 2020 nicht nur auf die Universitäten, Schulen, Geschäfte, Hotels beschränkt ist. Auch die Nachbarstädte Beit Jala und Beit Sahour dürfen ebenso wenig betreten werden. Der Grenzübergang nach Jerusalem ist völlig abgeriegelt. Manche Hotels dienen als Quarantäne-Station und den Angestellten wurde für März & April der halbe Lohn ausgezahlt. Von morgens sieben bis abends sieben Uhr sind nur noch Apotheken, Bäckereien und Lebensmittelläden geöffnet. Aber Toilettenpapier ist hier keine Mangelware!
leere Strassen…… geschlossener Markt
Die größte Bedrohung wird in den heimkehrenden Arbeitern aus Israel gesehen, die das Virus mitbringen könnten, besonders im Norden der Westbank. Die Palästinenser in Jerusalem bekommen nicht die angemessene Beachtung zur Aufklärung zu Corona und Behandlung. Hierzu erhalten sie nähere Informationen u.a. bei medico international.
Ergänzung vom 21. April 2020 zur Situation in Palästina
Ein Bericht aus Palästina vom internationalen Verband der Sozialarbeiter
Alles fing damit an, dass ich eines Tages eine Mail bekam
von Winfried Preuschoff, einem Marathonläufer, der bereits über 30 Läufe hinter
sich hatte. Er hatte meine Adresse in unserer Homepage entdeckt. Sein Anliegen:
Er wollte seinen letzten (Halb-)Marathon aus Solidarität mit den
Palästinenser*innen in Bethlehem laufen. Ob ich ihm behilflich sein könnte. Wir
trafen uns sehr bald und stellten erst einmal fest, dass wir fast gleich alt
waren, er einen Monat älter als ich, beide zum Zeitpunkt unseres Treffens
noch78 Jahre.
Da ich schon immer laufe – wenn auch noch nie
(Halb-)Marathon – konnte er mich schnell dazu animieren, mit ihm zusammen in
Bethlehem den Halbmarathon zu absolvieren. Bis zum 22. März war es noch ein
halbes Jahr Zeit. Ein bisschen Bammel hatte ich schon. Ich musste also üben,
nicht nur eine Stunde laufen, sondern auch einmal in der Woche zwei
Stunden.
Die Mauer begleitet die Laufstrecke
Ein schönes T-Shirt hatten wir schon – ein Geschenk der
zwölf palästinensischen Marathonis, die wir im Herbst zum Köln-Marathon
eingeladen hatten. Sie gehörten alle der Gruppe „Right to Movement“ an. Der
Name ist zugleich Programm und hat in Palästina eine besondere Bedeutung. Denn
in der Westbank werden die Palästinenser*innen durch Checkpoints, militärische
Sperrgebiete, Naturreservate etc. in ihrer Mobilität und Bewegungsfreiheit
behindert. Deshalb steht auf unserem T-Shirt unter dem Namen der Gruppe: „We
run to tell another story“. Auf der Rückseite haben wir dann noch unser Emblem
mit dem Dom und dem Stern drucken lassen.
Am 22. März um 6.30 Uhr ging es – nach einigen gemeinsamen
Gymnastikübungen auf dem Platz vor der Geburtskirche – los. Die ersten 12
Kilometer waren nicht leicht, sie führten immer wieder aufwärts. Und viele
Bethlehemer*innen wussten mit uns Läufer*innen nichts anzufangen. So alt ist
der Lauf in Bethlehem noch nicht. Aber wir hatten unseren Spaß, besonders, als
die Bethlehemer Marathonis, die teilweise schneller als wir oder noch nicht
gelaufen waren, uns begeistert kurz vor dem Ziel begrüßten.
Jedermann ist dabei
Das schöne an diesem Lauf war unsere Begegnung auf
Augenhöhe. Die palästinensischen Marathonis sind in Köln gelaufen, und wir
haben hier schöne Tage mit ihnen verlebt. Und nun sind wir aus Köln zu ihnen
gekommen – es sind außer uns Läufern noch weitere Mitglieder unseres Vereins mitgefahren
– wir sind mit ihnen zusammen gelaufen und haben mit ihnen zusammengesessen und
gemeinsame Pläne für die kommende Zeit geschmiedet. So macht Partnerschaft
einfach Spaß. Sie bewegt nicht nur die Beine, sondern auch die Herzen.
Die Motivation, eine Städtepartnerschaft zu pflegen, besteht für mich vor allem darin, Menschen zu begegnen und kennenzulernen. Sich auszutauschen über die jeweiligen Lebensumstände und so über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, ist eine Bereicherung.
Ein Erlebnisbericht von Nicole
Ein Abend in Bethlehem, Palästina, Donnerstag der 21. März
2019. Geboren wurde diese Idee im Oktober 2018 in Köln anlässlich des Marathons
und der damit verbundenen Teilnahme von 12 LäuferInnen, Mitgliedern der
Bewegung Right to Movement aus Palästina. Dem Zusammentreffen in Köln mit der
herzlichen und offenen Atmosphäre entsprang der spontane Gedanke, den
Bethlehem-Marathon 2019 mitzuerleben. Schnell war klar, dass dieser Wunsch,
sich dort wieder zu treffen, auch in die Tat umgesetzt werden musste.
Es begann in Köln
‚klare‘ Wegführung
Flüchtlingslager Aida
Buntes Bethlehem
Laufen unter erschwerten Bedingungen
immer wieder vor die Wand
Am Ende eine Stärkung: Falafel
Dieser Plan wurde mit weiteren Ideen gefüllt. Das Timing war
perfekt, konnten wir so auch die Spendengelder der Stadt Köln für drei soziale
Einrichtungen bzw. Organisationen in Bethlehem überbringen. Wir haben viele
Menschen getroffen und interessante Gespräche geführt, Ideen und Anregungen
ausgetauscht, so z.B. im Joint Services Council for Tourism, im Ghirass
Cultural Center bei einem Olivenholzschnitzer oder einfach nur bei der
Begegnung beim Einkauf und im Taxi.
im Taxi unterwegs durch Bethlehem
Fröhlich war das Wiedersehen mit „unseren Marathonis“. Spaghettiessen, wie überall üblich bei einem solchen Event, am Vorabend in einem hippen Laden, den ich so in der West-Bank nicht vermutet hätte. Diese quirlige Atmosphäre, vornehmlich junge Leute und internationale Besucher bzw. Mitglieder von Right to Movement, ein fröhliches Wiedersehen und Austauschen. Es könnte überall auf der Welt so stattfinden. Es wirkt so unbeschwert und normal. Genau das ist es, was diese jungen Menschen in Palästina leben möchten, Normalität und Unbeschwertheit, so wie wir dies hier völlig selbstverständlich leben.
Hätte es nicht am Vortag in Bethlehem einen Vorfall mit einem Toten und einem Verletzten gegeben, hätte der daraufhin ausgerufene Generalstreik Bethlehem an diesem Tag bis zum späten Nachmittag nicht zu einer ungewöhnlich ruhigen Stadt gemacht und hätte uns der Weg zum Treffen an diesem Abend nicht über einen Checkpoint geführt. Es hätte ein ganz normaler Marathonvorabend sein können. Doch wir sind in Palästina in der West-Bank.
Freitag, der 22.03 2019, Marathon so ganz anders als in Köln. Die Strecke ist nicht ein Rundkurs von gut 42 Kilometern. Wer diese Distanz läuft, muss die Laufstrecke zweimal absolvieren, da die Mauer und die Einteilung in Zonen A, B und C die Bewegungsfreiheit und somit die Streckenführung beschränkt.
Marathon in Bethlehem bedeutet aber neben Sport auch Demonstration.
Daher beteiligen sich neben dem Halbmarathon viele Läufer am 10-Kilometer-Lauf und am Family-Race über 5 Kilometer. Hier sieht man Kinder, Jugendliche, ganze Schulklassen, Familien, Gruppen von diversen Einrichtungen, Menschen mit Behinderung, Alt und Jung, ein Querschnitt der Gesellschaft.
Einem Großteil der Strecke fehlt das Publikum, doch im Zentrum der Stadt und auf dem Manger-Square ähnelt die Stimmung einem Volksfest.
Der Tag danach, Samstag der 23.03.2019, steht im Zeichen eines weiteren Treffens mit den Marathonis von Right to Movement. Wir essen gemeinsam und erzählen viel. Schnell wird mir wieder klar, wir sind in Palästina, wo man 2 Stunden am Checkpoint verliert und eben später kommt, wo ein Teilnehmer aus Jericho am Freitag um 2.00 Uhr morgens aufbricht, 4 Checkpoints passieren muss und erst 10 Minuten nach dem offiziellen Start um 6.20 starten konnte, da die Fahrt für die Strecke von 45 Kilometern 4 Stunden dauerte. Ein Land, wo es nicht selbstverständlich ist, einfach überall zu laufen und zu trainieren, wo ein junger Palästinenser das Ausreiseprozedere am Flughafen in Tel Aviv nicht kennt, weil er dort noch nie war und nur über Jordanien ausreisen kann.
Es wäre fantastisch, diese jungen Menschen auch dieses Jahr wieder nach Köln einladen zu können. Spontan entsteht in mir der Gedanke eine Right to Movement Gruppe in Köln ins Leben zu rufen. Ich möchte diese Ziele unterstützen, eintreten für Freiheit der Bewegung für Frauen und Männer, Jung und Alt, Menschen mit und ohne Behinderung. Wahrscheinlich ist dieses Projekt eine Nummer zu groß. Aber vielleicht schaffe ich es auch hier Worten Taten folgen zu lassen. Let us run to tell a different story!